Stadtmonster

Das Stadtmonster schlägt wieder zu

Der schmale Grat zwischen Erlebnisshopping und Reizüberflutung – Hochsensibilität leben

Wenn ich nicht achtsam bin, dann schleicht es sich heran – es ist weder zu sehen noch zu hören. Auf einmal, wie aus dem Nichts heraus, ist es da! Und manchmal bin ich diesem „Stadtmonster“ hilflos ausgeliefert.
Ich weiß nicht, wie andere Hochsensible diese Situation erleben, darum erzähle ich von meinem Stadtmonster.

Shoppen in der Glitzerstadt

Ich liebe es in Hamburg, beispielswiese in der Innenstadt, am Gänsemarkt, oder in Eppendorf herumzubummeln und mir die Schaufenster der Geschäfte mit ihrem Glitzer und Bling Bling anzuschauen. Oder an der Alster spazieren zu gehen und in einem netten Cafe zu verweilen. Ich schaue mir gerne die Menschen, ihre Kleidung, ihre Hunde an. (Meine Hunde bleiben bei solchen Ausflügen immer zuhause).
Solche Shopping-Ausflüge brauche ich nicht jeden Samstag, aber hin und wieder genieße ich dieses besondere Großstadtflair. Ein toller Gegensatz zu meinem Landleben.

Natürlich gehe ich auch gerne in die Geschäfte, um nach tollen Schnäppchen Ausschau zu halten, oder einfach mal die neuesten Trends anzuschauen. Ich lasse mich gerne in den großen Buchhandlungen von all den wundervollen Neuerscheinungen inspirieren. Hamburg hat da schon mehr zu bieten, als Lüneburg. Ich wohne nur ein paar Kilometer von Lüneburg entfernt, in einem Dorf. Lüneburg ist eine tolle Stadt, aber mit eher kuscheligem, gemütlichem Charakter während in Hamburg das Leben pulsiert.

Achtung Stressfalle!

Ich spüre sehr schnell die Energie der Großstadt, denn auch mein Puls beginnt irgendwann verstärkt zu pulsieren, nämlich dann, wenn der Strom der Menschen mich unbewusst mitzieht. In der Großstadt haben es die Menschen scheinbar immer eilig und wirken oftmals sehr geschäftig und gestresst.

Nach einiger Zeit in der Stadt, scheint ein Teil von mir einfach vergessen zu haben, dass ich ja zum b u m m e l n in der Stadt bin und nicht zum herum eilen.
Ich ertappe mich, dass ich sehr viel schneller gehe, der Strom der anderen Menschen zieht mich einfach mit und auch mein Atem verändert sich, er wird irgendwie flacher. Der Stress der Großstadt nimmt die Verfolgung auf. Die Achtsamkeit für mein Befinden geht verloren und ich bin mehr im Außen fixiert.
Irgendwann fangen meine Augen an zu brennen. Ich müsste eigentlich reagieren (!), aber ich bummel weiter durch die Geschäfte.

Zuhause würde ich dieses Signal wahrnehmen und mir eine Wasser-Pause gönnen. Wenn ich dann ein Glas Wasser getrunken und so meinen Wasserhaushalt wieder aufgefüllt habe, geht es mir wieder gut.

Aber beim Shopping in der Stadt viel zu trinken, heißt auch öfters mal das stille Örtchen aufzusuchen. Also lieber erst mal nichts trinken.
Weiter bummeln, weiter durch die belebten Einkaufsstraßen gehen, weitere Impulse aufnehmen …, es bringt einerseits Spaß, aber das „Stadtmonster“ hat schon seine Fühler in meine Richtung ausgestreckt.

Voller Begeisterung bin ich inmitten des Großstadtflairs und sauge die Fülle der verschiedenen Reize auf. Was ich aber nicht merke, ist der schmale Grat zwischen freudiger Großstadtbegeisterung und Reizüberflutung. Und dann kommt irgendwann der Moment, in dem mein Partner nicht gleich schaut, wenn ich ihm voller Begeisterung etwas in einem Schaufenster zeigen möchte, oder er einfach vorrennt, oder eine „blöde“ Frage stellt. Natürlich ist es keine blöde Frage, aber für mich in diesem Moment – im Wasserungleichgewicht und mit Reizen überflutet – schon. Irgendwie werde ich immer unachtsamer in Bezug auf mein körperliches Wohlbefinden und merke die Veränderung meistens nicht. Es mag daran liegen, dass die vielen Reize mich von meiner Selbstwahrnehmung ablenken…

Das Stadtmonster nähert sich

Und wenn dann noch irgendein Impuls, eine blöde Frage oder Reaktion kommt, dann – BENG! – schlägt das „Stadtmonster“ wieder zu und ich verwandele mich von einem sanften Einhorn in ein bockiges Zicklein.

→ Das bin nicht ich, das hat das „Stadtmonster“ mit mir gemacht!

Das „Stadtmonster“ hat mich ja schon lange verfolgt und es hat dafür gesorgt, dass ich vergessen habe, gut für mich zu sorgen.

Ansonsten hätte ich ja wahrnehmen müssen (ich bin ja sonst auch so feinfühlig und habe feine Antennen für alles), dass ich hätte schon lange Wasser trinken und eine Kaffepause einlegen müssen. Und dann kippt die Stimmung quasi von einer Sekunde auf die andere, ein anderer Störfaktor meines Wohlbefindens meldet sich. Ich habe meinen leeren Bauch mit seinem Hungergefühl nicht zeitig wahrgenommen und habe meine Zentriertheit verloren.

Wassermangel, Hunger und eine Fülle an Reizen kann für hochsensible Menschen schnell zu einem „Problem“ und einem Stressfaktor werden und es kann zu Stimmungsschwankungen kommen, die für andere ganz unerklärlich sind. Ebenso unerklärlich scheint es für Hochsensiblen selbst zu sein und sie fühlen sich diesem Gefühlschaos manchmal regelrecht ausgeliefert.

Natürlich ist das „Stadtmonster“ ein Teil von mir bzw. meiner Unachtsamkeit.

Fazit

All das hat das „Stadtmonster“ mit mir gemacht und für den nächsten Bummel in der Großstadt habe ich mir mehr Achtsamkeit und Selbstfürsorge vorgenommen, damit ich schon früher wahrnehme, wenn sich die ersten Anzeichen melden und die innere Balance aus dem Gleichgewicht gerät. Und es an der Zeit ist, eine Pause einzulegen, um meinen Körper mit Wasser, Kaffee (Ja, ich trinke Kaffee und liebe Kaffee) und einem Snack nähren sollte.
Ebenso habe ich mir vorgenommen, bei meinem eigenen Tempo zu bleiben und mich nicht mit dem Menschenstrom mitreißen lassen und vor allen Dingen möchte ich mich nicht mehr von der Großstadthektik anstecken lassen und meinen ganz eigenen, entspannten Atemrhythmus behalten.

Also liebe Hochsensible, sorgt gut für Euch und lasst Euch nicht vom „Stadtmonster“ fangen.

Sabina Pilguj
Sabina Pilguj
www.ibi-za.de

Im Sonnenjahr 2017 habe ich mich entschlossen mit einem Blog „Ibiza-Prinzip“ online zu gehen. Ich schreibe über alltägliche Themen, über Hochsensibilität, den Lifestyle-Hippie, Yoga und Kinderyoga sowie über unsere tierischen Freunde.

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