Alles hat seine Zeit

Alles hat seine Zeit

Schenkt den Kindern ihre ureigene Zeit zur Entwicklung und Entfaltung

 

„Lass die Natur Dein Lehrer sein“ – dieser Sehnsuchtsbotschaft folgen einige Menschen, die auf den Weg zu mehr Gelassenheit sind.

Die Natur mit ihrem „Vitamin G“ („G“ für Grün) schenkt uns Ruhe und Entspannung. Aber die Natur als Lehrer für ein Leben mit mehr Entschleunigung und innerer Gelassenheit als Vorbild zu nehmen, bedeutet auch zu akzeptieren, dass alles seine ureigene Zeit hat. Oder wer hat schon jemals am heimischen Apfelbaum im Mai einen Apfel gepflückt?!

Alles hat seine Zeit

Die Natur ist wahrlich ein wertvoller Lehrmeister für uns Menschen, denn sie lehrt uns, dass alles seine Zeit hat – die Zeit der Ruhe, die Zeit des Wachstums, die Zeit der vollen Entfaltung und die Erntezeit.

Was wir bei der Natur als selbstverständlich akzeptieren, wird aber in Bezug auf unsere Kinder oftmals anders gesehen. Schon kleine Kinder sollen so schnell wie möglich und so viel wie möglich lernen und junge Eltern haben enorm hohe Ansprüche an ihren Nachwuchs und vor allen Dingen an sich selbst. Sie wollen möglichst alles perfekt machen und suchen nach den allerbesten Förderungsmöglichkeiten. Das ist oftmals Stress pur!

 

Lerne wieder auf dein Bauchgefühl zu hören!

Doch bei all den unbeschreiblich vielen Angeboten für Babys und Kleinkinder verlieren die Eltern das Gefühl für das Wesentliche. Nämlich wieder auf ihr Bauchgefühl zu hören und den Kindern alle Zeit für ihre eigenen Entwicklungsprozesse zu lassen.

 

Als Expertin für Kinderyoga wurde für den „Kinder in Bewegung Kongress“ ein Interview mit mir aufgezeichnet.  kinder-in-bewegung-kongress.de

Teil dieses Expertenteams zu sein, hat mich sehr berührt. Als ich mir das Interview er Expertin Anna Tardos angeschaut habe, die sehr ausführlich über die eigene Entwicklungszeit der Kinder gesprochen hat, wurde ich an die Zeit erinnert, als mein Sohn noch klein war.

 

Mir war es damals schon immer wichtig gewesen, meiner Intuition und meinem Bauchgefühl zu vertrauen. Jedes Kind ist einzigartig und sehr individuell, mit all seinen Anlagen, seinem Körper und seinem Gehirn – so sehe ich es. Und ebenso einzigartig und individuell sind auch die Entwicklungsprozesse. Ich habe immer nur meinen Sohn in seinem eigenen Entwicklungsprozess gesehen, ohne mich auf die klassischen Mutter-Kind-Gruppen oder Spielplatz-Vergleiche einzulassen.

 

Nur zu gut erinnere ich mich an einige Tipps, die ich erhielt, als mein Sohn seinen ersten Geburtstag feierte und noch keinerlei Anstalten machte, zu laufen. Mein Mann und ich haben zu dem Zeitpunkt niemals das Laufen bzw. die Aufrichtung mit ihm geübt und mein Sohn trug noch seine geliebten Rutschesocken und keine festen Lederschuhe. Wie oft hieß es damals „Ich müsse unbedingt feste Lederschuhe kaufen, damit mein Sohn endlich das Laufen lernen würde“, oder „es wäre an der Zeit einen Kinderorthopäden aufzusuchen, denn es sei nicht normal, dass ein Kind in diesem Alter noch nicht laufen würden….“. So oder so ähnlich gab es viele weitere Ratschläge, die ich aber einfach überhört habe, weil ich tief in mir das Vertrauen hatte, dass alles so in Ordnung war, wie es eben war.

 

Krabbelpower

Mein Sohn war also schon 1 Jahr alt und lief immer noch nicht. Was ihn aber nicht an der Fortbewegung hinderte, denn mit seinem heiß geliebten Bobbycar flitzte er im rasanten Tempo durch die Siedlung. Und hatte er keine Lust mehr mit seinem Kinderauto zu fahren, dann stieg er ab und krabbelte nach Hause. Er entdeckte die Welt auf seine eigene Art und Weise. Und es entsprach seinen ureigenen Bedürfnissen. Natürlich war der Verschleiß von Rutschesocken schon sehr groß und der Sommer war ein großer Vorteil, da es selten nasse Füße gab.

 

Reifezeit

Genau drei Monate später haben wir einen Strandurlaub gemacht. Im Reisegepäck hatten wir genügend Rutschesocken eingepackt. Als wir an einem Tag den Strand verließen und ich meinen Sohn auf den Holzsteg hinsetzte, damit ich ihm die Rutschesocken anziehen konnte, alberte er herum, grinste mich an, stand auf und lief los. Ich traute damals meinen Augen nicht! Er lief einfach los, etwas wackelig auf den Beinen, aber er lief. Sein Gleichgewichtsgefühl und seine Balance faszinierten mich und wir waren sprachlos. Natürlich ist er ein paar Mal hingefallen, das gehört dazu, aber es war schon eher eine Seltenheit. Nun hatte scheinbar seine innere Uhr den Impuls gegeben, dass es an der Zeit sei, zu laufen. Und wir als Eltern haben diesen Impuls aufgegriffen und haben ihm ein paar Rutschesocken mit Ledersohle und sein erstes Paar Schuhe gekauft.

 

Für mich war es das allergrößte Geschenk und zugleich die allerwichtigste Lektion, zu sehen und anzuerkennen, dass alles im Leben seine ureigene Zeit braucht. Nicht nur in der Natur sondern auch in der Kindesentwicklung.

Sabina Pilguj
Sabina Pilguj
www.ibi-za.de

Im Sonnenjahr 2017 habe ich mich entschlossen mit einem Blog „Ibiza-Prinzip“ online zu gehen. Ich schreibe über alltägliche Themen, über Hochsensibilität, den Lifestyle-Hippie, Yoga und Kinderyoga sowie über unsere tierischen Freunde.

Es wurden noch keine Kommentare abgegeben

Zur Zeit können leider keine Kommentare abgegeben werden.