Kinder Loben

Heute schon gelobt?

Lisa kommt freudestrahlend aus dem Kindergarten und drückt ihrer Mutter ein selbstgemaltes Blumenbild in die Hand. Die Mutter ist begeistert und äußert ihre Freude: „Das hast du so wunderschön gemalt! Wir hängen das Bild gleich im Wohnzimmer auf“. Lisa strahlt über das ganze Gesicht und man sieht ihr an, dass sie sich richtig gut fühlt.

Nörgeln ist leichter als loben

Auch wir  Erwachsenen kennen dieses besondere Gefühl der inneren Freude und Beschwingtheit, wenn einem etwas Positives gesagt wird. Ein Lob tut der Seele einfach gut und wirkt oftmals wie ein “Motivationswunder“.

Diese Glücksgefühle, ausgelöst durch eine positive Bestätigung, schenken auch unseren Kindern ein Wohlgefühl.

Manchmal ist das aber so eine Sache mit dem Loben. Früh morgens werden die Kinder angetrieben, sich zu beeilen, damit sie rechtzeitig in der Kita oder in der Schule ankommen. Mittags nörgeln die Kinder  beim  Essen, weil sie einfach müde und geschafft sind. Das Thema Schulaufgaben und diese zügig zu erledigen,  sorgt auch oftmals in der Familie für hitzige Diskussionen. Und allabendlich wiederholt sich das leidige Thema, wenn das Kind endlich ins Bett gehen soll. So kann sich im Familienalltag  leicht der Blick für das Positive verlieren, nämlich das Lobens- und Liebenswerte der eigenen Kinder.

Viele Eltern loben ihre Kinder viel zu wenig, obwohl bekannt ist, dass ein aufrichtiges Lob zur richtigen Zeit manchmal Wunder bewirken kann.

 

Tadeln ist leicht; deshalb versuchen sich so viele darin. Mit Verstand loben ist schwer; darum tun es so wenige.

Anselm Feuerbach (Deutscher Maler 1829-80)

Sich anerkennend zu äußern, scheint nicht jedem Menschen leicht zu fallen. Aber gerade für unsere Kinder ist es eine wichtige Form einer wohlwollenden Zuwendung und positiven Rückmeldung.

Warum Loben so wichtig ist

Ein Lob erhöht das Wohlbefinden des Kindes, stärkt das Selbstwertgefühl und auch das Selbstvertrauen. Die Kinder fühlen sich angenommen, wertgeschätzt und in ihrem Tun bestätigt. Gelobt zu werden, sorgt für gute Gefühle und macht einen stolz. Es motiviert zu weiteren Leistungen oder sich neuen Herausforderungen zu stellen. Aus neurobiologischer Sicht können eine wohlwollende Geste, ein aufmunternder Blickkontakt oder lobende Worte die Ausschüttung von körpereigenen Glückshormonen aktivieren.

Zu wenig Aufmerksamkeit, Beachtung oder das Gefühl, etwas falsch zu machen, sorgt hingegen beim Kind für Stress und daraus kann sich leicht eine Negativspirale entwickeln. Das Kind fühlt sich „nicht gut genug“, es verliert vielleicht sogar das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Es könnte durch diese Sinnesempfindung sogar Unsicherheiten und Ängste entwickeln. Diese Gefühle und die durch Stress ausgelöste körperliche Anspannungen hemmen bekanntlich die Lernleistung. Bekommen Kinder zu wenig positive Bestätigung, könnten Sie sogar ein negatives Selbstbild entwickeln.

Manchmal bin ich als Kinderyogalehrerin bzw. Kindercoach sehr betroffen, wenn von den Kindern eine Tabelle mit den eigenen Stärken und Schwächen ausgefüllt werden soll. Die Schwächen werden rasch aufgelistet. Häufige Beispiele: Ich bin zu blöd, ich bin faul, ich bin trödelig. Ich kann mich nicht konzentrieren, ich bin frech und ich bin schlecht in der Schule (komme nie aufs Gymnasium (!)..). Die Seite mit den eigenen Stärken bleibt oftmals unausgefüllt. Gemeinsam mit den anderen Kindern beschreiben wir die positiven Eigenschaften,  welche das jeweilige Kind so einzigartig und besonders macht, oder was es gut kann. Die Kinder sind dann selber ganz berührt, welch tolle Stärken und Besonderheiten sie in sich tragen. Diese sollten lobend hervorgehoben werden, denn genau diese Bestätigung der besonderen Eigenschaften, festigt das Kind innerlich und lässt das Selbstbewusstsein wachsen. Es macht das Kind stark für den (Schul-)Alltag. Mit einem aufrichtigen Lob können Eltern dem Kind helfen, sich gut zu fühlen und neue Sicherheit im Selbstvertrauen zu gewinnen. Denn wer mag schon ständig kritisiert werden und das Gefühl haben, sich immer mehr anstrengen zu müssen. Das ist nicht nur anstrengend sondern Stress pur.

Was ist beim Loben zu beachten

Beim Schreiben dieses Beitrages habe ich mir die Frage gestellt, ob ich von meinen Eltern eigentlich gelobt wurde. An ein aufrichtiges Lob von Herzen kann ich mich nicht wirklich erinnern, aber an Sätze wie „Du kannst es noch besser machen“, oder „Streng dich doch noch mehr an…“.  Vielleicht wussten meine Eltern damals noch nicht um die Auswirkung von Stress, und dass eine Ermunterung und anerkennende Worte für Kinder so wichtig  und heilsam für die Kinderseele sind. Heute weiß die Wissenschaft wie bedeutsam die  Auswirkung  von positiver Bestätigung ist. „Lob ist das Salz in der Suppe des Alltags“, so beschreibt es der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Kurt Czerwenka (Seniorprofessor) von der Leuphana Lüneburg.

Selbst in den Chefetagen wird gelehrt, wie ein gezieltes loben der Mitarbeiter für ein besseres Betriebsklima sorgen und die Motivation steigern kann.

Anerkennende Worte sollten etwas Selbstverständliches und Alltägliches sein. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sparsam und effektiv gelobt wird. Ansonsten kann der Reiz der positiven Gefühle schnell abstumpfen. Positive Zustimmung und gelobt zu werden ist sehr wichtig für das Erlernen neuer Dinge, dies belegen aktuelle Studien der Neurowissenschaftler.

Aber wer ständig und alles gutheißt, tut dem Kind aber auch keinen Gefallen. Ein Dauerlob kann die Gefahr in sich bergen, dass Kinder sich nur noch bemühen, um Lob und Anerkennung von den Eltern zu erhaschen. Es könnte die Entwicklung der Eigenständigkeit und Motivation, neue Dinge zu lernen, hemmen. Kinder müssen auch lernen, dass sie eben nicht immer alles  perfekt  als „Superbester“ machen können, denn bekanntlich gilt „Nobody is perfekt“. Man sollte seinem  Kind aber auch Anerkennung schenken, wenn es sich bemüht hat. Es geht nicht darum,  die Intelligenz  oder Ergebnisse zu loben, sondern die Anstrengung und Mühe. Hat das Kind sich beispielsweise intensiv auf eine Klassenarbeit vorbereitet und es ist dann doch keine supergute Note geworden, verdient das Kind eine positive Bestätigung.

Ein echtes Lob sollte auch niemals an Erwartungen geknüpft sein, wie zum Beispiel: „Super, dass du in der Mathearbeit eine Drei geschrieben hast, aber das nächste Mal sollte es eine glatte Zwei sein. Und bemüh dich, einfach besser zu schreiben….“.

Ein Lob sollte immer ganz gezielt ausgesprochen werden, damit das Kind genau weiß, wie und wofür diese Worte gemeint sind. Ein einfaches „Das hast du aber gut gemacht“ oder „Du hast dich ja toll angestrengt“, sind allgemeine Aussagen. Wird aber ganz konkret und detailliert die Belobigung beschrieben, weiß das Kind genau, wofür es diese Anerkennung bekommen hat.

Um  Kinder positiv zu bestätigen reicht auch manchmal schon ein nonverbales Signal, wie zum Beispiel ein wohlwollendes Nicken, ein zustimmendes Augenzwinkern, ein Schulterklopfen oder einfach die Geste wie Daumen hoch. Einige Kinder bekommen für sehr gute Schulnoten manchmal ein „Honorar“ für ihre Leistung. Man sollte aber immer Belohnung und Lob voneinander trennen, denn eine Ankerkennung ist eine Herzensangelegenheit und sollte nicht in Form von materieller Entlohnung ausgedrückt werden.

Und noch ein Tipp

Kinder sollten nicht mit anderen verglichen werden, sondern die eigenen kleinen Fortschritte sollten durch ein aufrichtiges Lob ins richtige Licht gerückt werden. So gewinnt das Kind mehr Selbstvertrauen, sich auch selber mehr zu trauen.

Loben auf den Punkt gebracht

  • Ein Lob tut der Seele einfach gut und wirkt oftmals wie ein “Motivationswunder“ und löst Glücksgefühle aus
  • Ein Lob erhöht das Wohlbefinden des Kindes, stärkt das Selbstwertgefühl und auch das Selbstvertrauen.
  • Die Kinder fühlen sich angenommen, wertgeschätzt und in ihrem Tun bestätigt.
  • Gelobt zu werden, sorgt für gute Gefühle und macht einen stolz. Es motiviert zu weiteren Leistungen oder sich neuen Herausforderungen zu stellen.
  • Aus neurobiologischer Sicht können eine wohlwollende Geste, ein aufmunternder Blickkontakt oder lobende Worte die Ausschüttung von körpereigenen Glückshormonen aktivieren.
  • Werden Kinder nicht gelobt: Zu wenig Aufmerksamkeit, Beachtung oder das Gefühl, etwas falsch zu machen, sorgt hingegen beim Kind für Stress und daraus kann sich leicht eine Negativspirale entwickeln. Das Kind fühlt sich „nicht gut genug“, es verliert vielleicht sogar das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Es könnte durch diese Sinnesempfindung sogar Unsicherheiten und Ängste entwickeln
  • Es geht nicht darum, die Intelligenz  oder Ergebnisse zu loben, sondern die Anstrengung und Mühe
  • Ein echtes Lob sollte auch niemals an Erwartungen geknüpft sein.

 

Also: Heute schon gelobt?
Sabina Pilguj
Sabina Pilguj
www.ibi-za.de

Im Sonnenjahr 2017 habe ich mich entschlossen mit einem Blog „Ibiza-Prinzip“ online zu gehen. Ich schreibe über alltägliche Themen, über Hochsensibilität, den Lifestyle-Hippie, Yoga und Kinderyoga sowie über unsere tierischen Freunde.

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